245. Kiezspaziergang - Um den Lietzensee, auf den Spuren Erwin Barths

245. Kiezspaziegang - Heike Schmitt-Schmelz

Heike Schmitt-Schmelz eröffnet den 245. Kiezspaziergang

Herzlich willkommen zum 245. Kiezspaziergang. Ich bin Heike Schmitt-Schmelz, Bezirksstadträtin für Schule, Sport, Weiterbildung und Kultur. Heute führt uns unser Spaziergang auf die Spuren von Erwin Barth – einer der bedeutendsten Stadtgartendirektoren der Stadt und des Bezirks. Sein Todestag jährt sich am 10. Juli zum 90. Mal. Unser Weg führt uns um den Lietzensee und wir enden an der Großen Kaskade.

Ich gebe Ihnen schon jetzt einmal den Hinweis zum nächsten Kiezspaziergang: Den 246. Kiezspaziergang am Samstag, 12. August 2023, führt mein Kollege Arne Herz vom Britischen Soldatenfriedhof bis zum Friedhof Heerstraße. Treffpunkt ist um 14 Uhr vor dem Soldatenfriedhof an der Heerstraße 139.

Station 1.1 Erwin Barth

Erwin Barth wurde am 28. November 1880 in Lübeck geboren.
Er absolvierte seine gärtnerische Ausbildung in Lübeck und Elmshorn und beendete sie 1900 an der
Königlichen Gärtner-Lehranstalt in Potsdam-Wildpark. Anschließend arbeitete er für private Auftraggeber.
1908 wurde er Stadtgärtner in Lübeck, wo er bis 1911 blieb. 1912 ging Barth nach Charlottenburg, wo er Stadtgartendirektor wurde, bis er 1926 zum Gartendirektor von ganz Berlin aufstieg. Daneben lehrte er von 1921 an der Technischen Hochschule Charlottenburg, wo er 1927 zum Honorarprofessor ernannt wurde.
1929 verließ er das Stadtgartenamt und wurde Ordinarius und Direktor des Instituts für Gartengestaltung, das als deutschlandweit erste wissenschaftliche Ausbildungsstätte für Gartenarchitekten an der Landwirtschaftlichen Hochschule Berlin eingerichtet wurde.

Parks, Stadtplätze, Grünanlagen, Krankenhausgärten und Friedhofsanlagen gestaltete Erwin Barth in Berlin zwischen 1912 und 1929. Sie prägen noch heute das Stadtbild und werden seit den 1980er Jahren in vielen Fällen in seinem Sinne wiederhergestellt.
Von 1912 an hatte Erwin Barth z.B. allein in Charlottenburg die fünf öffentlichen Gartenanlagen Dernburgplatz, Goslarer Platz, Karolingerplatz, Kuno-Fischer-Platz und Mierendorffplatz gestaltet. Diese Anlagen und später auch der Lietzenseepark (1919/1920), Sachsenplatz (heute: Brixplatz; 1918-1921),
die Grünanlagen im ehemaligen Luisenstädtischen Kanal (1926), der Volkspark Jungfernheide (1920-27), der Volkspark Rehberge (1926-1929) und auch die oft stattlichen Privatgärten zeugen auch heute noch vom Schaffen Barths.

In allen seinen Werken verknüpfte er die anspruchsvollen Schönheiten der Gartenkunst mit einem hohen Freizeit- und Erholungswert. Erwin Barth schuf keine Schmuckgärten nur zum “Lustwandeln”, sondern grüne Oasen – auch in dicht bebauten Teilen der Großstadt Berlin – wo Kinder geschützte Freiräume und Erwachsene Orte der Erholung fanden.
Erwin Barth nahm sich im Zusammenhang mit den Erscheinungen der NS-Diktatur am 10. Juli 1933 das Leben. Sein Grab auf dem Waldfriedhof Wilmersdorf in Stahnsdorf wurde zu einer Ehrengrabstätte erklärt.

245. Kiezspaziegang - Erwin-Barth-Platz

Erwin-Barth-Platz

1.2 Erwin-Barth-Platz

Anlässlich des 125. Geburtstages von Erwin Barth wurde am 28. November 2005 die vorgelagerte Fläche des Lietzenseeparks, also der Platz auf dem wir hier heute stehen, nach dem ehemaligen Gartendirektor Erwin Barth benannt.

Auf dem Platz befindet sich seit 1973 die “Skulptur mit Kern-rot-blau”. Diese besteht aus aneinandergeschweißten Edelstahlblechen in unterschiedlichen – meist dreieckigen – Formen. Sie wurde vom Künstler Volkmar Haase 1967 geschaffen und 1973, nach Ankauf des Bezirks, zunächst am Ufer des Lietzensees aufgestellt. Die polierte, angeschliffene Oberfläche, mit nach innen weisenden Flächen ist teilweise dunkelblau oder rot lackiert. Die Plastik steht auf einem unregelmäßigen, sechseckigen Betonsockel.
Da sie in einer Silvesternacht mehrfach durchschossen wurde, entschloss man sich 1983 zu einer Verlegung der Skulptur in den besser einsehbaren oberen Teil des Parks.

Für uns geht es jetzt zum Witzlebenplatz.

2.1 Witzlebenplatz

Der Witzlebenplatz bildet mit dem Lietzenseepark, dem Lietzenseeufer, dem Kuno-Fischer-Platz und dem ehemaligen Dernburgplatz einen Stadtpark rund um den Lietzensee.
Das Gelände wurde 1899 von der “Terrain-Gesellschaft Park Witzleben” erworben und 1905 nach dem preußischen Staats- und Kriegsminister Wilhelm von Witzleben benannt.
Auch die Witzlebenstraße wurde 1905 ebenso wie der Bahnhof Witzleben nach ihm benannt.
Witzleben wurde 1783 in Halberstadt geboren und kam bereits mit 16 Jahren, also 1799 als Fähnrich (ein militärischer Dienstgrad der Bundeswehr, des Bundesheeres und früherer deutscher Streitkräfte) zur Leibgarde des Preußenkönigs in Potsdam.

1815 wurde er Chef des Generalstabs beim Generalkommando in Preußen und 1817 Chef des Militärkabinetts. Von da an begleitete er König Friedrich Wilhelm III, der ihn seinen Freund nannte, auf allen Reisen, zu Besichtigungen und Truppenübungen.
1823 erhielt er vom König 20.000 Taler, mit denen er den Lietzensee samt Umgebung kaufte und daraus einen Sommersitz schuf. Auf der Westseite ließ er einen großen Park nebst Landhaus anlegen. 1827 erhielt er die Charlottenburger Ehrenbürgerrechte.
1835 ernannte ihn der König zum Kriegsminister. 1837 starb Witzleben. 1840 erhielt der Park per Kabinettsorder den Namen Park Witzleben. Im gleichen Jahr verkaufte die Familie den Besitz. Er wurde 1899 von der Terrain-Gesellschaft Park Witzleben erworben, die den öffentlichen Lietzenseepark anlegen ließ, der dann später von Erwin Barth umgestaltet wurde.

2.2 ehemalige Reichsmilitärgericht

Am Witzlebenplatz befindet sich das ehemalige Reichsmilitärgericht, das spätere Reichskriegsgericht der NS-Zeit.
Das Haus wurde 1908-1910 von Heinrich Kayser und Karl von Großheim erbaut. Darin untergebracht waren das Reichsmilitärgericht (1910-1920), das Reichswirtschaftsgericht (1922-1938/39), das Kartellgericht (1923-1938/39) und
das Reichskriegsgericht sowie der höchste Gerichtshof der NS-Wehrmachtsjustiz (1936-ca.1943).
Seit 1951 war es der Dienstsitz des Kammergerichtes (Zuständigkeit für Berlin-West), das sich heute wieder am angestammten Ort am Kleistpark befindet. Zuletzt wurde es bis zum Umzug nach Leipzig vom 5. Senat des Bundesgerichtshofes genutzt.
Das Eckgrundstück ist bebaut mit zwei Baukörpern um drei Höfe. Neobarocke Fassade mit klassizistischen Elementen aus Werkstein. Ein zweigeschossiger, weit zurückspringender Trakt – mit den Repräsentationsräumen und der ehemaligen Präsidentenwohnung- durch ein turmartiges Gelenkstück mit dem eigentlichen dreigeschossigen Gerichtsgebäude verbunden. Im westlichen Trakt gibt es einen Festsaal mit Marmorbüste Friedrich Leopold von Kircheisens, 1820 von Christian Daniel Rauch. Im Dreiecksgiebel des Hauptportals befindet sich ein Zierschild von Otto Lessing.

Für uns geht es nun zum Bootshaus Stella.

245. Kiezspaziegang - Bootshaus

Bootshaus Stella

4. Bootshaus Stella/Park-Café

Auch hier finden sich die Spuren Erwin Barths wieder. Dieser hatte das alte Bootshaus 1924 errichten lassen. Es fiel 1973 einem Brandanschlag zum Opfer. Danach wurde ein Provisorium errichtet. Das Bezirksamt wollte ein neues Haus in Anlehnung an das historische Vorbild errichten lassen und hat dafür neue Betreiber gesucht. Diese haben das alte Holzhaus 2007 abreißen lassen und 2009 als “Bootshaus Stella Café am Lietzensee” in einem Neubau wiedereröffnet. Seither ist es ein beliebtes Café und Biergarten für Anwohner und Touristen.

Wir laufen nun ein Stück weiter zum Wasser, wo ich Ihnen mehr zum Park und See erzählen möchte.

5.1 Lietzenseepark

In den 1820er Jahren erwarb General von Witzleben das Gelände rund um den Lietzensee und ließ auf der Westseite einen großen Park nebst Landhaus anlegen. Nach seinem Tod erhielt dieser 1840 per Kabinettsorder den Namen Park Witzleben. Wie wir schon hörten verkaufte die Familie im gleichen Jahr den Besitz. Die Terrain-Gesellschaft Park Witzleben erwarb das Gelände 1899 und ließ dann den öffentlichen Lietzenseepark anlegen.
Durch die Verlängerung der Kantstraße und die damit verbundene Aufschüttung eines Dammes wurden See und Park 1904 zweigeteilt. 1906 wurde der Park von Toebelmann und Brettschneider umgestaltet. 1910 kaufte schließlich die Stadt Charlottenburg den Lietzensee samt Park. 1912-13 bauten Erwin Barth und Heinrich Seeling die Lietzensee-Kaskaden am Dernburgplatz und an der Wundtstraße. Nach dem Ersten Weltkrieg, 1919-1922 gestaltete Erwin Barth den Park teils in regelmäßigen Strukturen zum Landschaftspark um. Ursprünglich waren die Uferränder mit Stauden eingefasst, später wurden Rasenflächen angelegt.

245. Kiezspaziergang - Lietzensee

Lietzensee

5.2 Lietzensee

Der Lietzensee ist 6,6 Hektar groß und 3 bis 4 Meter tief. Er hat keinen Zufluss, sondern wird allein durch Grundwasser gespeist. Heute gibt es einen Abfluss mittels Rohren zur Spree, der ehemals in das Sumpfgelände des am Ende des 19. Jahrhunderts zugeschütteten “Schwarzen Grabens” führte. Als General von Witzleben 1820 an der Westseite des Sees in dem umgebenden Wald- und Sumpfgelände einen Park und eine kleine Badeanstalt anlegen ließ, ergaben sich durch Aufschüttungen Veränderungen am See.
Während man also zu früheren Zeiten im Lietzensee schwimmen konnte, so ist es inzwischen nicht mehr möglich.
Der Naturzustand des Sees blieb noch lange Zeit weitgehend erhalten, bis er gegen Ende des Jahrhunderts nahezu verlandet, völlig verschilft und nur noch knapp 20 cm tief war und als Folge auf zwei Meter Tiefe ausgebaggert werden musste. Der folgenden Eutrophierung (übermäßige Nährstoffbelastung) wurde hier – vermutlich weltweit zum ersten Mal – mit einer künstlichen Sanierung durch Nährstoffdrosselung entgegengewirkt. Auch hier sei noch einmal erwähnt, dass der See durch die zwecks Verlängerung der Kantstraße notwendige Dammaufschüttung 1904 zweigeteilt wurde. Ein Kanal unter der Lietzenseebrücke verbindet die beiden Teile.
Leider geriet der Lietzensee wie andere Berliner und Brandenburger Seen 2010 durch ein trauriges Fischsterben in die Schlagzeilen. Unser Grünflächenamt versuchte vergeblich, ein Loch im Eis freizuhalten, um den Fischen Luft zu verschaffen. Am Ende der ungewöhnlich langen Frostperiode mussten wir dann leider feststellen, dass Hunderte von Fischen den Winter nicht überlebt haben. Zwei Tonnen tote Fische mussten aus dem See geborgen werden.
Im Rahmen des Fördervorhabens „Uferrenaturierung durch Wasserpflanzenetablierung im Lietzensee im Einklang mit dem Gartendenkmal“ sollen zur Herstellung des ökologischen Gleichgewichts im Lietzensee Wasserpflanzen über ein neuartiges Verfahren etabliert werden. Die Arbeiten begannen im April 2023 beginnen und werden voraussichtlich bis zum Herbst andauern.

Da der Lietzensee als prägendes Element der Lietzensee-Parkanlage ein Bestandteil des Gartendenkmals ist, müssen Vorgaben des Denkmalschutzes bei der Umsetzung eingehalten werden. So erfolgt die Uferrenaturierung, also die Wiederherstellung von naturnahen Lebensräumen, ausschließlich auf der Seeseite und unter der Wasseroberfläche.
Dazu wird eine Filteranlage – bestehend aus phosphatbindenden Filterboxen – entlang der circa 2000 Meter langen seeseitigen Uferlinie eingebracht. Die Anlage reinigt auf natürliche Weise das Seewasser und das zugeströmte Grundwasser. Unterstützt wird die Filteranlage durch Neuanpflanzungen von Sumpf- und Röhrichtpflanzen, wodurch auch „Unterwasserweiden“ als Fortpflanzungsmöglichkeiten für den Hecht geschaffen werden. Für eine gute Wasserqualität ist unter anderem ein ausgeglichener Bestand von Raub- und Friedfischen eine wichtige Voraussetzung. Zusätzlich sorgen die Pflanzen für eine erhöhte Nährstoffbindung und eine bessere Sauerstoffversorgung des Sees.
Die Besiedlung mit Wasserpflanzen dient somit nicht nur der Verbesserung der Biodiversität, sondern stützt das ökologische Gleichgewicht im See und verbessert die Wasserqualität. Mit der Wasserqualität steigt und fällt auch die Attraktivität und die Aufenthaltsqualität des Parks.

Ein Ingenieurbüro wurde 2022 mit der Planung der Pflanzungen und der Filteranlage beauftragt. Der Auftrag für die bauliche Umsetzung der Maßnahmen wurde Anfang 2023 an eine Gewässerbaufirma vergeben. Der Hauptteil der Arbeiten wird vom Wasser aus mithilfe von Schwimmplattformen und Booten durchgeführt.
Hierzu wurden bereits seit Ende März erst in der südlichen Parkanlage und dann später auch in der nördlichen Parkanlage eingezäunte Lager– und Arbeitsflächen eingerichtet. Vereinzelt wird es auch zu kleineren Arbeiten in den landseitigen Uferbereichen der Parkanlage kommen.

Der Park wird so auch während der Bauarbeiten weiterhin für alle Besucher zugänglich und nutzbar sein. Um die Auswirkungen der Sanierung überwachen und bewerten zu können, werden parallel zu den Baumaßnahmen auch weiterhin die Wasserqualität, sowie die Tier- und Pflanzenbestände im und um den Lietzensee untersucht. Das Fördervorhaben läuft bis Dezember 2023.

5.3 Schillerwiese

Hier, am nördlichen Ende des Lietzenseeparks befindet sich vom Kaiserdamm her gewissermaßen der Haupteingang in den Park und der Hauptzugang zum See. Eine große, hufeisenförmige Wiese – die Schillerwiese – empfängt die Spaziergänger. Sie wird an den Seiten von hohen Bäumen eingerahmt. Dieser Eingangsbereich hat sich seit der Eröffnung des Parks 1922 kaum verändert.

Wir gehen nun ein kleines Stück weiter und treffen uns am Seniorentreffpunkt.

6. Seniorentreffpunkt

Der ehemalige Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler eröffnete am 7. Mai 2009 diesen Seniorentreffpunkt. An den fest installierten Sportgeräten können ältere Menschen ihre Beweglichkeit und Motorik schulen. Sie stehen zu jeder Jahreszeit zur Verfügung. Natürlich sind hier Menschen aller Altersklassen willkommen. Dieser generationsübergreifende Begegnungsort passt ideal in den Park. Wir verstehen ihn als zeitgemäße Ergänzung zur Konzeption von Erwin Barth.

Wir treffen uns nun an der kleinen Kaskade wieder.

245. Kiezspaziergang - Kleine Kaskade

Kleine Kaskade

7. Lietzenseekaskaden

Die beiden Kaskaden im Lietzenseepark wurden 1912-13 von Erwin Barth und Heinrich Seeling geschaffen und besteht aus der Großen Kaskade am südlichen Ende des Parks, an der Dernburgstraße und der Kleinen Kaskade mit Rundbecken und Fontäne hier im nördlichen Teil, an der Wundtstraße.

Die kleine Kaskade mit Rundbecken und Fontäne, eingerahmt von Laubengängen schufen Erwin Barth und Heinrich Seeling 1912, zeitgleich mit der großen Kaskade am südlichen Ende des Parks, die wir am Ende unseres Rundgangs erreichen werden.

Einen provisorischen Betrieb hatte das Bezirksamt im Jahr 2021 gestartet. Aber schon nach wenigen Tagen habe jemand einen Gegenstand in die Brunnenanlage geworfen und sie damit ganz lahmgelegt, sagte der Umweltstadtrat Oliver Schruoffeneger.

2022 sah es nicht besser aus. Ein Gutachten hatte ergeben, dass eine Grundsanierung mehr als eine Million Euro kosten würde. „Das ist weit jenseits von dem, was wir dafür haben“, sagte Schruoffeneger im BVV-Umweltausschuss.

Im Mai 2020 hatte der Haushaltsausschuss des Bundestags beschlossen, die Sanierung mit 150.000 Euro aus einem Denkmalschutzprogramm zu fördern. Der Bezirk wollte die restlichen Mittel aufbringen. Die Kosten wurden damals jedoch auf 450.000 Euro geschätzt.

Die neue Finanzierungslücke kann vorerst nicht geschlossen werden. Stadtrat Schruoffeneger hält nur Arbeiten in „Teilbereichen“ wie einer einsturzgefährdeten Mauer für möglich. Darüber will er mit dem Verein Bürger für den Lietzensee beraten, der sich seit Langem für die Kleine Kaskade einsetzt.

Nun geht es für uns weiter zum Parkwächterhaus.

245. Kiezspaziegang - Parkwächterhaus

Parkwächterhaus

8. Parkwächterhaus

1924-25 wurde das Parkwächterhaus nach Plänen des Charlottenburger Magistratsbaurats Rudolf Walter erbaut. Das charmante Haus am damaligen Königsweg, heute Wundstraße 39, wurde im EG mit öffentlichen Toiletten für Damen und Herren, einem Raum für die Parkverwaltung sowie einer Verkaufsstelle für Milch und Mineralwasser ausgestattet, im 1. OG befand sich eine Dienstwohnung für den Parkwächter.
Nach starken Kriegszerstörungen der Parkanlage wurde sie in den 1950er Jahren wiederhergestellt. 1954 wurde durch einen Fußgängertunnel unter der Lietzenseebrücke eine Verbindung der beiden Parkteile geschaffen. Das Haus im Park wurde 1971 im unteren Stockwerk etwas verbreitert, so dass seitdem die ehemals freistehenden seitlichen Säulen nun die Begrenzung des äußeren Mauerwerks bilden.

Prof. Klaus Döring und Irene Fritsch gründeten 2004 den Verein Bürger für den Lietzensee e.V.
Er kümmert sich seither um die Pflege und Sauberkeit des Parks. Die Freiwilligen treffen sich jeden Dienstagvormittag im Park.
Im Untergeschoss befand sich bis 2012 ein kleiner Kiosk und öffentliche Toiletten, die bis in den Herbst 2014 mehr oder weniger regelmäßig den Parkbesuchern zur Verfügung standen. Zuletzt nutzte das Gartenbauamt die oberen Stockwerke als Aufenthaltsräume. Für den Lietzenseepark gibt es ein umfangreiches Parkpflegewerk. Das Gebäude ist heute ein denkmalgeschütztes Baudenkmal im Ensemble der ebenfalls denkmalgeschützten Gartenanlage Lietzenseepark.

245. Kiezspaziegang - Gefallenendenkmal

Gefallenendenkmal

9. Gefallenendenkmal

Das Gefallenendenkmal des Königin-Elisabeth-Garde-Grenadier-Regiments Nr. 3 wurde 1925 von Eugen Schmohl geschaffen. Eine Bronzetafel mit einem überkrönten und lorbeerbekränzten “E” trägt die Inschrift: “Unseren gefallenen Helden 1864, 1866, 1870-1871, 1914-1918”. Gedacht wird also der gefallenen Soldaten des Deutsch-Dänischen Kriegs von 1864 um Schleswig-Holstein,
des Deutsch-Österreichischen Krieges von 1866, des Deutsch-Französischen Krieges von 1870 bis 1871 und des Ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918.

Wir laufen nun weiter zur Lietzenseebrücke.

245. Kiezspaziergang - Lietzenseebrücke

Lietzenseebrücke

10. Lietzenseebrücke

Wir stehen hier an der Lietzenseebrücke. Wir haben schon gehört, dass die Kantstraße 1904 zur Neuen Kantstraße verlängert wurde und dabei ein Damm aufgeschüttet werden musste, durch den der Lietzensee in zwei Teile geteilt wurde. Die Buntsandsteinbrücke wurde im gleichen Jahr 1904 durch die “Terrain-Aktiengesellschaft Park Witzleben” errichtet. So steht es auch auf einer Sandsteintafel oben am Brückengeländer.
1956 wurden die beiden Parkteile für Fußgänger durch einen Durchgang unter der Lietzenseebrücke wieder verbunden. Erwin Barth hatte diese Verbindung bereits 1920 vorgesehen. Damals konnte sie aber aus Kostengründen noch nicht gebaut werden.

Durch diesen Durchgang gehen wir jetzt und laufen weiter durch den Park bis zur Skulptur „Sandalenbinder“.

245. Kiezspaziegang - Sandalenbinder

Sandalenbinder

11.1 Skulptur Sandalenbinder

Bronzeskulptur auf Steinsockel von Fritz Röll. Aufstellung im Lietzenseepark 1962.
Röll erhielt für diese Figur 1909 in Berlin den Großen Staatspreis. Sie gilt als sein Hauptwerk. Sie wurde der Stadt Berlin ebenso wie das ‘Steinmädchen’ (an der Bernhard-Wieck-Promenade) 1961 aus dem Nachlass geschenkt. Ein weiterer Abguss befindet sich im Folkwang-Museum in Essen.

245. Kiezspaziegang - Knappschafts-Berufsgenossenschaftshaus

Knappschafts-Berufsgenossenschaftshaus

11.2 Kuno-Fischer-Platz (auf der anderen Seeseite!)

Die kleine terrassierte Gartenanlage an der Ostseite des Lietzensees hinter dem Gebäude der ehemaligen Knappschafts-Berufsgenossenschaft, wurde zunächst 1905 von dem städtischen Garteninspektor Ludwig Neßler angelegt, um das neue, vornehme Wohngebiet am Lietzensee zu zieren, aber schon 1912/13 von seinem Nachfolger, Gartendirektor Erwin Barth umgestaltet. Benannt wurde der Platz nach dem Heidelberger Philosophen Kuno Ernst Berthold Fischer.
Fischer hatte 1856 eine Professur in Jena, im Jahre 1872 lehrte er in Heidelberg. Mit seinen Schriften, u. a. acht Bände “Geschichte der neueren Philosophie” (1852-1893), leistete er einen bedeutenden Beitrag zur Geschichtsschreibung der Philosophie. Außerdem veröffentlichte er Arbeiten zur Ästhetik und Literaturgeschichte. Er fasste die historische Entwicklung der Philosophie als einen fortschreitenden Prozess der Selbsterkenntnis auf.
1928 bis 1930 wurde der Platz dann nochmals von Felix Buch umgestaltet.
Aufgestellt wurde hier die 1913 von Gerhard Janesch geschaffene Steinskulptur eines Fauns, einen Knaben das Flötenspiel lehrend.

11.3 Knappschafts-Berufsgenossenschaftshaus (ebenfalls auf der anderen Seeseite)

Das Backsteinhaus hinter dem Kuno-Fischer-Platz ist das gerade schon erwähnte ehemalige Knappschafts-Berufsgenossenschaftshaus.
1929/30 wurde das Gebäude von Rudolf Hartmann als Verwaltungsgebäude der Knappschafts-Berufsgenossenschaft im leicht expressionistischer Klinkerbau hier am Ufer des Lietzensees erbaut.
Bereits 1881 hatte Kaiser Wilhelm I. die Einführung einer Sozialversicherung eingefordert, durch die Arbeiter bei Arbeitsunfällen versichert sein sollten.
Damit wollte der Kaiser unter anderem die immer stärker werdende sozialdemokratische Bewegung schwächen, durch die er den inneren Frieden im Lande gefährdet sah.

1885 waren die gesetzlichen Voraussetzungen für die Bildung von Berufsgenossenschaften geschaffen, so dass die ersten Berufsgenossenschaften gegründet werden konnten, unter anderem die Knappschafts-Berufsgenossenschaft, die für die Bergleute zuständig war. Schnell wurde sie zur größten Berufsgenossenschaft in Deutschland.

1928 wurde der Bau eines Verwaltungsgebäudes in der Kuno-Fischer-Straße beschlossen. Der Architekt Rudolf Hartmann entwarf einen repräsentativen roten Klinkerbau mit drei Etagen, das Elemente im Stile des Expressionismus aufweist. Die Vorderfront in Richtung Lietzensee wird durch den überdachten Eingangsbereich betont, der durch vier Säulen verziert ist. Zusätzlich ist der Eingangsbereich mit Reliefs geschmückt, die Arbeitsszenen des Bergbaus darstellen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm das Land Berlin das Haus der Knappschafts-Berufsgenossenschaft und richtete hier verschiedene Dienststellen ein.

In den Jahren 1950 bis 1953 war in dem Gebäude die “Notaufnahmestelle für Flüchtlinge aus der DDR” als erste Anlaufstelle für DDR-Flüchtlinge untergebracht, bis diese Aufgabe durch das neu erbaute Notaufnahmelager in Berlin-Marienfelde übernommen wurde. Seit November 2007 ist am Gebäude in der Kuno-Fischer-Straße eine Gedenktafel angebracht.

Nach dem Umzug der Notaufnahmestelle zogen verschiedene Behörden und Dienststellen in das ehemalige Verwaltungsgebäude der Knappschafts-Berufsgenossenschaft ein, unter anderem die Berliner Polizei. In den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts folgte ein jahrelanger Leerstand.

Im Jahre 2000 erfolgte eine aufwändige Komplettsanierung. 2001 wurde das Gebäude als Medienhaus wiedereröffnet, das verschiedene Firmen der Film- und Fernsehbranche beherbergt.

11.4 Kirchengemeinde Am Lietzensee

Am 1. April 1913 entstand aus der Epiphaniengemeinde hervorgehend die Kirchengemeinde am Lietzensee. Zunächst mit dem Namen Epiphanien II (Südost) versehen, erhielt die Gemeinde am 18. April 1915 mit der Festlegung des Standortes einer zu bauenden Kirche am Lietzensee ihren eigenen Namen.

Ursprünglich war eine neoromanische Großkirche geplant, deren Erbauung jedoch durch den I. Weltkrieg scheiterte. Stattdessen errichtete die Gemeinde von 1919–1920 eine hölzerne “Notkirche”.

Erweitert durch einen Glockenturm im Jahr 1929, folgte 1930-1931 das Gemeindehaus.
Am 15. Februar 1944 wurde die Lietzenseekirche durch einen Luftangriff zerstört; das Gemeindehaus stark beschädigt.
Ende des Jahres 1957 wurde mit dem Bau der heutigen Kirche am Lietzensee nach Plänen des Architekten Paul Baumgarten begonnen. Am 27. September 1959 folgte die feierliche Einweihung. Der Grundriss ist fünfeckig.
Die Kirche wurde am 27. September 1959 eingeweiht.
Die Eingangsfassade als leicht geneigtes Trapez gestaltet, das Faltdach ist aus Dreiecksflächen gebildet und teilweise bis zum Boden herabgezogen.
Zum Park hin schaffen große Fenster die Verbindung zur Natur.
Das Gemeindehaus rechts daneben wurde 1930-31 von Heinrich Straumer errichtet und 1950 von Glaser umgebaut.

Wir gehen nun zu unserer letzten Station – der Großen Kaskade.

245. Kiezspaziergang - Große Kaskade

Große Kaskade

12. Große Kaskade

Am 21. Juli 2006 wurde die sanierte Große Lietzenseekaskade an der Dernburgstraße der Öffentlichkeit übergeben. Ihre umfassende bauliche Sanierung und Rekonstruktion konnte dank der Stiftung Denkmalschutz Berlin in einer Bauzeit von etwa acht Monaten erfolgreich beendet werden. Die Kosten für die Wiederherstellung der Kaskade sind vollständig von der Stiftung Denkmalpflege Berlin übernommen worden.
Das Bezirksamt hat parallel die wassertechnischen Anlagen instandsetzen lassen. Dabei wurde die Technik umgerüstet, so dass kostensparend und ökologisch sinnvoll das Wasser aus dem Lietzensee zur Kaskadenbewässerung verwendet werden kann. Ebenso wurden die angrenzenden Grünflächen gartendenkmalpflegerisch überarbeitet und teilweise wie die Kaskadenanlage in historischer Anlehnung an den Gartenarchitekten Erwin Barth wiederhergestellt. Die von Barth 1912 konzipierten Hohlwege wurden neu angelegt, die Rasentreppen, in Anpassung an die Wasserstufen, und die Treppenanlagen neu modelliert sowie
die Wegebeläge teilweise saniert. Die Wiederherstellung der Grünanlage, die neue Beregnungsanlage und die Wassertechnik wurden aus den Haushalten der Abteilung Bauwesen und der Abteilung Umwelt finanziert. Insgesamt kostete die Baumaßnahme 246.000 EUR.

1992 diente die Große Kaskade als Drehort in Otto Waalkes Film „Otto – Der Liebesfilm“.

Damit sind wir heute schon wieder am Ende unseres Spaziergangs. Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

  • 245. Kiezspaziegang
  • 245. Kiezspaziegang - Gabriele Weber, Vorsitzende des Vereins Bürger für den Lietzensee e.V.

    Gabriele Weber, Vorsitzende des Vereins Bürger für den Lietzensee e.V.

  • 245. Kiezspaziergang - Heike Schmitt-Schmelz beim Spaziergang
  • 245. Kiezspaziegang - Gruppe an Großer Kaskade
  • 245. Kiezspaziergang - Katja Baumeister ParkHaus Lietzensee e.V.

    Katja Baumeister ParkHaus Lietzensee e.V.